Politik in Delmenhorst

Ansichten, Vorschläge, Meinungen und alles andere was uns zur Politik in Delmenhorst einfällt.

Freitag, 21. September 2018

Briefmarken sammeln - Teil 4

So, nun stehen wieder einmal Wahlen vor der Tür und das sollte doch Anlass genug sein, einmal wieder das Briefmarkenalbum aufzuklappen.

Anfangen wollen wir heute mit einer kleinen Sammlung von Beispielen aus dem Slogangenerator 1.0, der leider nur einen Satz erzeugen konnte: "Fortschritt statt Stillstand". Da diese ältere, noch DOS-Basierte Version der Software inzwischen als Freeware vorliegt, bedienen sich hier alle Parteien. Zumindest die grafische Gestaltung machen anscheinend noch anderen Tools - sonst würde das ja unter Umständen noch jemand verwechseln.


 Weiter geht es, mal wieder mit der FDP, die auch in dieser Folge mehrfach vertreten ist. Es muss doch einfach etwas geben, dass genau so schlimm ist, wie kein Netz zur Verfügung zu haben. Mal überlegen, was hat den auch vier Buchstaben und ist doof?  Fett - hatten wir schon. Kohl? War in der CDU, auch doof. Pest - Ja, Pest ist toll. Beulen habe ich jetzt auch, allerdings am Kopf, vom auf den Tisch schlagen.
Also, auf meinem Eis steht keine Bonsaikuh. Das wäre auch für alle Beteiligten ein wenig schwierig. Erst einmal entsteht bei Ablecken einer Kuh ein unerwünschter, pelziger Geschmack auf der Zunge. Dann schmeckt Kuh ein wenig nach - Rind. Und dann bekommt ja das arme Tier kalte Füße und möchte eigentlich auch nicht abgeschleckt sein. Insgesamt also ergibt sich, dass es keinen Markt für Kühe auf Eis gibt, es also keine Leistung ist, die Kuh vom Eis zu nehmen. Vielleicht wäre ein besserer Slogan "Wir malen die Schimmel weiß an".
Es gibt ja Dinge, die sind so absurd, dass man es kaum glauben kann. Gespannt wären wir, ob es einen Stream von dem Event gibt. Die örtliche Presse sollte ja unter Umständen auch ein gewisses Interesse gehabt haben."Stadtrat läßt die Hose runter" - "Die nackte Wahrheit", hach ich könnte stundenlang Schlagzeilen erfinden. Und wer mehr wissen möchte: Es gibt sogar ein Promovideo.
Lieber Herr Samitz, 
wenn Sie auf ihrem PC Texte erfassen, dann gibt es diese lustige Funktion, die sich "Rechtschreibprüfung" nennt. Die macht dann diese ulkigen roten Kringel unter ihren Tippfehlern. Haben Sie das schon einmal ausprobiert? Ich würde ihnen das ja gerne mal empfehlen, bevor Sie wieder mehrere hundert Plakate drucken lassen, die einfach zum Fremdschämen einladen. Und da Sie als Listenkandidat auf Platz 55 wohl eher keine Chance auf ein Mandat und damit viel Kohle haben, selbst jede Open Source Textverarbeitung bietet dieses Feature.
Ach, Alfred. Was soll ich als Wähler denn jetzt nur mit dieser Botschaft anfangen? Ich meine, du läufst mit einem vermeintlich werbefinanzierten Hoodie durch die Gegend, siehst eher aus wie ein sich auf ein FDP-Wahlplakat verirrter Pirat aus und probierst jetzt auch noch mit einem nur Nerds etwas gebenden Slogan zu punkten. Wie soll das denn gehen? Über 99% aller potentiellen Wähler können doch mit "Comic Sans" nichts anfangen, geschweige denn verstehen sie die Botschaft dahinter. Mein Tipp: Es wird auch nach der Wahl bei Dir nicht für Anzug und Krawatte, wie es von der FDP erwartet wird, reichen. Und ein Protipp hinterher: Probiere doch nächstes Mal für die Fotos ein wenig zu lächeln. Ein "Ein-Finger-Lächeln" würde ja schon reichen. Dann bekommst du wenigstens ein paar Stimmen von denen, die in Bayern auf Hamburger Szene Look stehen.
Und zu guter Letzt, auch wenn es kein Wahlplakat ist, ist dieses Bild doch so gut, dass es keiner weiteren Kommentierung bedarf.

Samstag, 30. Juni 2018

Von Brötchentasten und dem Klima

CC0 von Pixabay
Der Rat der Stadt Delmenhorst hat auf seiner letzten Sitzung vor der diesjährigen Sommerpause beschlossen, die Stelle eines Klimaschutzmanagers, bei gegebener Finanzierung durch Fördergelder, wieder zu besetzen. Leider wurde diese Stelle ja im Rahmen der Nachtragshaushalts zur Rettung unseres Krankenhauses gestrichen, was wir als Gruppe auch seinerzeit stark kritisiert haben. Es war aber auch seinerzeit so, dass wir zum einen diesen Nachtrag nicht einmal eine Woche vor der Beschlussfassung kannten und die Vorlage auch nur im Paket mehrheitsfähig war.

Im selben Nachtragshaushalt wurde auch die so genannte "Brötchentaste" abgeschafft, die es bisher erlaubte bis zu einer Stunde kostenlos auf ansonsten kostenpflichtigen Parkplätzen zu parken. Angeregt wurde diese Regelung, wie ja immer wenn es ums kostenlose Parken geht, von der FDP. Wenigstens ein Thema hat die örtliche FDP für sich entdeckt und jetzt gerade wieder beantragt.

Was haben diese beiden Dinge jetzt miteinander zu tun? Nichts, denkt man erstmal. Auf der einen Seite soll eine Stelle neu besetzt werden, die sich mit den Folgen des Klimawandels für unsere Kommune auseinandersetzt und probiert diese möglichst beherrschbar zu machen und darauf hinwirken soll, den stattfindenden Klimawandel durch kommunale Maßnahmen ein klein wenig abzuschwächen. Sicherlich hatte der bisherige Klimaschutzmanager Probleme mit der Definition seiner Aufgaben und dem Standing in der Verwaltung, daran muß gearbeitet werden, keine Frage. 
Auf der anderen Seite: Weniger Einnahmen durch weniger Parkgebühren und Bürger, die eine Stunde kostenlos parken können. Der ortskundige Autofahrer findet allerdings immer einen kostenlosen Parkplatz in der City. Sei es auf den Graftwiesen, Wochentags nach 16:00 Uhr beim Amtsgericht, Nachmittags beim Willmsgymnasium oder mit der Parkscheibe auf dem Bismarkplatz - irgendwo ist immer etwas frei.

Es geht hier aber darum, wie man Politik und auch gerade Kommunalpolitik versteht. Geht es hier um Egos, um den Austausch von "Erfolgen" und die Selbstdarstellung - dann sind diese Themen miteinander verwoben. Geht es darum, für den Zeitraum indem man Ratsmitglied ist, etwas für die Kommune zu erreichen und langfristig die Zukunft der Stadt zu sichern, dann ist das eine Thema existenziell und das andere eine Sache, die man machen kann, wenn alles andere stimmt.  So muss nun jeder für sich entscheiden, wie er Politik machen will. Ich habe meinen Weg definiert - und der hat nichts mit Brötchentasten zu tun.

Mittwoch, 16. Mai 2018

Delmenhorst wählt - ein Projekt für mehr Transparenz und Demokratie

Ich möchte heute ein neues Projekt ins Leben rufen und um Mitarbeit bitten. Es geht um das Wahlportal für Delmenhorst "Delmenhorst wählt". Hier soll ein neutrales und überparteiliches Portal mit allen Informationen zu allen Wahlen, die in Delmenhorst stattfinden, entstehen. Also zur Europawahl, zur Bundestagswahl, zur Landtags- und Kommunalwahl aber auch zu den Wahlen zum Behinderten- und Seniorenbeirat. 

Ich möchte auf diesem Portal zum einen alle Wahlprogramme aller zu den Wahlen antretenden Parteien unter einer gemeinsamen Plattform anbieten, alle Kandidaten, die in Delmenhorst zur Wahl stehen vorstellen, kleine Randnotizen zum Wahlkampf und idealerweise vielleicht sogar einen Wahl-o-maten für Delmenhorst zur Verfügung stellen. 

Und da ich das nicht alleine leisten kann - und will - lade ich alle politisch interessierten Bürgerinnen und Bürger in Delmenhorst ein, hier mitzuwirken. Das kann über Kommentare, Gastartikel bis hin zu festen Redakteuren sein. Und damit das auch wirklich neutral und überparteilich wird, werde ich mehrere Redakteure benennen.

Wer also Lust, Zeit und genügend Engagement für ein längerfristiges Projekt hat, der meldet sich bitte entweder unter didiman2000[at]gmail.com, spricht mich direkt an oder nimmt über Facebook mit mir Kontakt auf. 

Alle Parteien können im Vorfeld der Wahlen ebenfalls Kontakt aufnehmen, um ihren Content zur Verfügung zu stellen. 

Ein Hinweis: Wir werden aber keinesfalls Menschenverachtendes, beleidigende Inhalte, Aufrufe zu Straftaten o.ä. veröffentlichen. Es geht hier um politische Inhalte und nichts anderes. Wir behalten uns in diesen Fällen sämtliche Schritte vor.


Freitag, 16. März 2018

Briefmarken sammeln - Teil 3

Versprochen ist versprochen. Hier ist der dritte Teil der Briefmarkensammlung. Und dieses Mal deutlich weniger FDP-Lastig, dafür stark rot gefärbt. Los geht es mit dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, der in Kürze wiedergewählt werden möchte. Danach möchte er die Mieten stoppen. Man fragt sich, wie er die Mieten stoppen will. Mit Stoppschildern? An Kreuzungen? Oder gar Mieten abschaffen? Man sieht, selten waren Wahlversprechen schwerer einzuhalten. Vor der selten schlechten Photomontage wollen wir nicht einmal reden.
Weiter geht es mit Matthias Ilgen. Der möchte Förster werden und den Trumpbaum fällen. Nun, Matze, ich persönlich würde ja lieber eine gut geölte Kettensäge von Stihl hierfür heranziehen. Und das man "First" nicht steigern kann, weil es ja schon das "Erste" ist, nun gut, dass muß ein Förster nicht zwingend wissen. Fragt sich nur, ob seine Bewerbung auch bei der richtigen Baumschule angekommen ist. Es bleibt ihm zu wünschen, immerhin hat es ja bei der Wahl nicht gereicht.
Auch Christina Schwarzer hatte mit ihrer Schwarzfahrerkampagne keinen Erfolg und konnte kein Mandat im Bundestag ergattern. Das könnte natürlich daran liegen, dass es zu wenige Schwarzfahrer in Berlin-Neukölln gibt. Oder dass die Message nicht eindeutig genug war. Oder, dass gekünstelte Coolness mit der Verwendung von Emoticons niemanden dazu verleitet, CDU zu wählen.
Tja, Cheyenne, was soll man sagen. "In die Fresse, Alter"? Oder was soll hier die Message sein? Ich persönlich kann ja nicht einmal was mit der V-Partei³ anfangen. Zumindest sollte man sich nicht mit Dir anlegen, das habe ich verstanden. Ich hoffe nur, dass Du mit dem Mundwerk ähnlich schlagfertig bist.
Ich war ja auch mal Juso. Und natürlich waren wir damals die Geilsten, weil wegen isso. Und natürlich waren wir immer schon #GeilerAlsFeiler, wie kann das denn auch anders sein. Aber, lieber Benjamin, das arme Einhorn zu tätowieren? Musste das denn sein? Das geht doch nicht mehr weg. Jetzt kann das Tier seine Karriere als Fotomodell nicht fortsetzen. Ich hoffe, dass Du dich wenigsten gut um es kümmerst. Leider hat es ja für das angestrebte Mandat nicht gereicht - hoffen wir, dass das Einhorn nicht zu viel Glitzer frisst.
Tja Moritz, wieder vor dem Shooting Happy Pills eingeworfen? Und dann Mama dir die Krawatte gebunden? Ein Grüner mit Schlips auf einem Wahlplakat, da muss man auch erst einmal drauf kommen. Und überhaupt, was ist nur aus den Grünen geworden, die in den 80ern mit Rauschebart und Norwegerpulli möglichst unangepasst sein wollten? Die gerade mal so eben aus ihrer K-Kommune ausgezogen sind, um jetzt mal richtig Politik zu machen? Ein "Schwiegermuttertraum"? Na ja, ich weiß ja nicht, ob das die Zukunft der Grünen ist.






Ich habe so überhaupt nicht mitbekommen, dass Kühlschränke jetzt wählen dürfen. Ich persönlich habe auch noch keinen bei der Abgabe seiner Stimme im Wahllokal getroffen. Allerdings sieht man ja auch selten Kühlschränke, die älter als 18 Jahre sind und trotzdem noch Aktiv am Alltag teilnehmen. Ich frage mich nur, fühlen sich eigentlich die Mikrowellengeräte oder die Einbauherde diskriminiert, weil sie nicht wählen dürfen?


Ach, Alex. Für's Jackett hat's gereicht - aber für eine einfache Fahrkarte von Nürnberg nach Berlin nicht? Hätte dich nicht ein Genosse irgendwie mitnehmen können, der sowieso nach Berlin fährt, Maddin Burkert z.B., der fährt doch jetzt immer. Oder versteht ihr euch nicht so gut? Aber, dass Du jetzt unbedingt, egal wie, nach Berlin kommen willst, dass das keinen Wähler überzeugt, dir dein Kreuz  zu geben, das hast Du selber gemerkt, oder?

Dienstag, 13. März 2018

Beigeordneter Neugebauer - Was ist eigentlich Kommunalpolitik?

(c) Stadt Delmenhorst
Da ich im Privatleben des Öfteren zu bestimmten Themengebieten und Vorgängen innerhalb der kommunalen Politik angesprochen werde, habe ich mir gedacht, dass ich in diesem Blog eine neue Rubrik über die Arbeit im Rat der Stadt Delmenhorst einführe. Diese Rubrik soll unter dem Label "Beigeordneter Neugebauer" hier leicht zu finden sein. 
Ich möchte hier unregelmäßig über meine Arbeit im Speziellen und die Arbeit des Rates im Allgemeinen berichten und auf die Besonderheiten der Kommunalpolitik eingehen.
Den Anfang möchte ich heute mit dem Lebenslauf eines Antrags machen.

Wie entsteht ein Antrag für den Stadtrat?
In der Kommunalpolitik gibt es verschiedene Arten wie Beschlüsse gefasst werden können. Hier gibt es zum einen Beschlussvorlagen, die die Verwaltung aus sich heraus erarbeitet und dem Rat zu Beschlussfassung vorlegt. Beispielsweise wird der Haushaltsentwurf so vorgelegt. Aber zum Haushalt werden wir ein anderes Mal hier etwas schreiben. Eine weitere Möglichkeit ist die Eingabe von Anträgen durch Bürger nach §34 NKomVG. Und es gibt die Möglichkeiten als Ratsmitglied oder Fraktion/Gruppe einen normalen Beschlussantrag zu stellen. 

Auf diese Möglichkeit möchte ich jetzt hier eingehen. Mein Beispielantrag ergab sich aus der letzten Legislaturperiode. Um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, machten die Delmenhorster Piraten eine Umfrage in der Innenstadt, was die Einwohner verbessern würden, wenn sie könnten. Ein Herr ging vorüber und brummelte etwas in dem Sinne "Ihr hört doch auch nicht auf uns." - Dies bekam ich mit und sprach den Herrn an, wie er denn darauf käme und ob wir ihm nicht doch helfen könnten. Es entspann sich ein nettes Gespräch in dessen Rahmen er darauf zu sprechen kam, dass es zwar Behindertentoiletten in Delmenhorst gäbe, aber keine Hinweisschilder darauf und dass es gerade für Ortsfremde so sehr schwierig sei, eine zu finden. Als Nichtbehinderter ist das natürlich eine Sache, über die man nicht weiter nachdenkt, die einem aber sofort klar ist, wenn man darauf angesprochen wird. Ich versprach also dem netten Herrn, mich der Sache anzunehmen und informierte mich im Internet, wie denn so ein Schild auszusehen hat.
(c) Bayern Barrierefrei
Auf unserer nächsten Fraktionssitzung wurde dann der folgende Antrag erarbeitet: 


"Die Stadt Delmenhorst ergänzt die Hinweisschilder in der Stadtmitte um Wegweiser zu den jeweils nächsten Behindertentoiletten.
Sachverhalt/Begründung:

Um ansässigen und ortsfremden Besuchern der Innenstadt, die auf die Benutzung einer Behindertentoilette angewiesen sind, eine Hilfe zu bieten, werden die Hinweisschilder in der Stadt um einen zusätzlichen Wegweiser zu der jeweils nächsten Behindertentoilette ergänzt. Beispiel siehe hier:  https://de.wikipedia.org/wiki/Euroschl%C3%BCssel " (Vorlage 16/844/059/AN-R ). 

Was passiert dann mit dem Antrag?
Ein solcher Antrag wird dann in den Ausschüssen des Rates vorberaten bevor er schließlich in einer der Ratssitzungen (ca. 8 im Jahr) zur Beschlussfassung oder zur Ablehnung kommt. In diesem Falle fand die erste Beratung am 23.08.2016 im Ausschuss für Planen, Bauen und Verkehr statt. Hierfür hat dann die Verwaltung aus dem Antrag eine Beschlussvorlage erarbeitet (16/50/006/BV-R), die als Anlage der Tagesordnung für diesen Tagesordnungspunkt dient.
Tagesordnung vom 23.08.2016
 Im Rahmen der Beratung im Fachausschuss wurde dieser Antrag dann noch um die Anbringung eines weiteren Hinweisschildes am Bahnhof ergänzt und mit dieser Änderung so beschlossen: "
Die Stadt Delmenhorst ergänzt die Hinweisschilder in der Stadtmitte um Wegweiser zu den jeweils nächsten Behindertentoiletten. Darüber hinaus soll am Bahnhofsvorplatz ein weiteres Schild angebracht werden." 


Allerdings fällen die Fachausschüsse hier keine tatsächlichen Beschlüsse. Es wird nur vorberaten und ein Beschlussvorschlag erzielt. Tatsächliche Beschlüsse kann im Regelfall nur der Rat treffen.

Um überhaupt in den Rat zu kommen muss jeder Antrag im Hauptausschuss  beraten werden. In Delmenhorst heißt dieser Ausschuss "Verwaltungsausschuss (VA)". Dieser Ausschuss tagt ausschließlich nicht öffentlich und hier werden die Ratssitzungen vorbereitet. Die stimmberechtigten Mitglieder des VA erhalten den Titel "Beigeordneter" - daher auch der Titel dieser Rubrik.

In unserem Fall fand die Sitzung des VA einen Tag später, am 24.08.2016 statt. Dort wurde dem Antrag ungeändert entsprochen und dem Rat als "mit Zustimmung aus den Fachausschüssen" vorgelegt.

Zwei Tage nach der letzten Kommunalwahl fand dann am 13.09.2016 die Ratssitzung statt, auf der unser Antrag, der im Mai in der Fußgängerzone entstanden ist, dann einstimmig vom Rat der Stadt Delmenhorst beschlossen wurde. 

Und dann?
Nach einigen Nachfragen erhielt ich dann am 18.01.2017 die Nachricht, dass die Arbeiten ausgeführt wurden. Man sieht also, dass es fast neun Monate von der Antragsstellung bis zur Umsetzung gedauert hat und dass sich in dieser Zeit viele Leute mit diesem Anliegen beschäftigt haben.

Warum habe ich nun gerade dieses Beispiel genommen? Nun, zum einen, weil es einer der letzten Anträge unserer alten Piratenfraktion war, zum anderen aber auch deswegen, weil man anhand dieses Beispiels meines Erachtens nach sehen kann, wie direkt und unmittelbar die Kommunalpolitik funktioniert. Gerade auch deswegen, weil man sehen kann, dass man selbst als kleine Fraktion mit nur zwei Mitgliedern Anträge durchbekommen kann. Dieses ist auf den höheren politischen Ebenen quasi ausgeschlossen. 

Ich hoffe, der geneigte Leser hat einen kleinen Einblick in die Arbeit einer kommunalen Vertretung bekommen. Viel Spass bei den weiteren Beiträgen dieser Rubrik.

Mittwoch, 21. Februar 2018

Geht so die Zukunft?

Momentan wird in meinem Umfeld ja kaum ein Thema heißer diskutiert als die Neuauflage der "großen" Koalition in Berlin. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich das hier schreibe (heute ist der 21.02.2018) läuft die Urabstimmung der SPD-Mitglieder über die Teilnahme an der "#Groko". Und ich wage jetzt mal die Voraussage, dass sich die Mitglieder knapp für eine Regierungsbeteiligung entscheiden werden. Aus Staatstragenden Erwägungen heraus. Das alte geschichtliche Dilemma der SPD: Staatstragend sein zu müssen. 

Nun haben die Unterhändler aus Sicht der SPD zwar durchaus einige kleinere Erfolge erzielt, im Koalitionsvertrag lässt sich durchaus das eine oder andere Anliegen der Sozialdemokraten ersehen, aber zum Einen war das im letzten Koalitionsvertrag ja auch so, nur dass fast nichts davon realisiert wurde und zum Anderen - und das ist für mich das tatsächlich bestürzende an dieser Regierungsbildung, es werden mal wieder keine der wirklich wichtigen Fragen unserer Gesellschaft aufgegriffen. Und diese Fragen sind für mich (unter anderem)


Unser Sozial- und Rentenversicherungssystem


Die Rentenbeiträge sollen nicht über 20% steigen, das Rentenniveau auf 48% bleiben. Bei immer mehr Rentenempfängern, tendenziell immer weniger Einzahlern und weiter steigender Lebenserwartung. Man muss hier nicht Mathematik studiert haben, um zu erkennen, dass das nicht gehen kann. 

Nun gibt es hier mehrere Lösungsansätze um ein wenig mehr Sinn und Gerechtigkeit in diese Sache zu bringen, als da unter anderem wären:


  • Erhöhung der Beitragsbasis. Alle steuerpflichtigen Einkommen müssen in die Sozialsysteme einzahlen. Die Konzepte liegen vor, beispielsweise hier ein Auszug aus dem aktuellem Wahlprogramm meiner ehemaligen Partei: "Alle bestehenden Rentensysteme, berufsständischen Versorgungssysteme und Pensionen im öffentlichen Dienst werden zu einer Rentenkasse zusammengeführt. Alle steuerpflichtigen Einkommen und Kapitalerträge werden zur Zahlung von Rentenbeiträgen verpflichtet. Keine Berufsgruppe wird ausgenommen, die Bemessungsgrenze soll entfallen. In die Rentenkasse zahlen alle in Deutschland lebenden Menschen einkommensabhängig ein. Die Beiträge von Selbstständigen werden sich an ihren jeweiligen Unternehmenszahlen orientieren, sodass diese in ihrer Existenz nicht gefährdet werden. Die Rentenbezüge bewegen sich in einem Korridor von Mindest- bis Maximalrente. Die Renten werden jährlich um einen Faktor, der die Inflationsrate berücksichtigt, angepasst. Dieser Faktor berücksichtigt außerdem die Änderung weiterer Kosten, wie zum Beispiel  Gesundheitskosten. Die staatliche Rentenkasse verwaltet sich eigenverantwortlich, ohne direkten Zugriff durch den Staat. Der Staat schafft den gesetzlichen Rahmen. Die Rentenkasse ist für die Rente zweckgebunden! Für Pensionsansprüche soll der Gesetzesgeber eine entsprechende Übergangslösung ausarbeiten."

  • Steuerfinanzierung der Renten. "Die Rente basiert in Deutschland auf einem vorwiegend beitragsfinanzierten System. Wer der Versicherungspflicht unterliegt, finanziert mit seinen Beiträgen die Rentner von heute. Daraus folgt: Übersteigen die Ausgaben die Einnahmen, muss der Beitragssatz steigen. Dadurch hängt das System stark von der Struktur der Beitragszahler und Rentner und damit von Faktoren wie der demographischen Entwicklung ab. Eine Alternative zu diesem Mechanismus ist ein stärker steuerfinanziertes System. So könnten etwa sogenannte versicherungsfremde Leistungen grundsätzlich aus Steuereinnahmen bezahlt werden. Zu diesem Posten zählen alle Leistungen, die von der Rentenversicherung getragen werden, obwohl sie eigentlich nicht in ihrem Aufgabenbereich liegen."

  • Daneben gibt es hier noch eine Reihe weiterer Ansätze, die durchaus sinnvoll und auf jeden Fall diskutabel sind.
Fakt ist, dass sich mit der #Groko auch in den nächsten gut 3 Jahren hier nichts ändern wird. Und das ist eine verschenkte Zeit. Wieder einmal. 


Steuergerechtigkeit herstellen

Unser Steuersystem ist ein System der Ungleichheit und der Ungerechtigkeit. Die Schlupflöcher sind so groß, das unserem Staat jedes Jahr Mittel im deutlich 2stelligen Milliardenbereich entgehen. Mehrfache Millionäre zahlen weniger Steuern als Facharbeiter und Verkäuferinnen. Hier braut sich enormer sozialer Sprengstoff zusammen. Hinzu kommen undurchschaubare Konstruktionen die sich dem gesunden Menschenverstand komplett entziehen. Es muss hier endlich gelten, dass jedes Einkommen zu versteuern ist und auch der Wirtschaft die Möglichkeiten der Steuervermeidung genommen werden. Und das gesamte Steuersystem ist so aufzustellen, dass tatsächlich jeder ohne weitere Unterstützung in der Lage ist, seine Steuererklärung abzugeben. 
Und auch hier sind außer ein paar Steuergeschenken keine großen und tiefgreifenden Reformen in den nächsten Jahren zu erwarten. 


Digitalisierung der Wirtschaft


Durch den zunehmenden Einsatz von technischen Hiftsmitteln und moderner Software werden in den nächsten 10 - 20 Jahren in Deutschland mehrere Millionen Arbeitsplätze wegfallen. Diesen Prozess werden wir nicht aufhalten können. Vielmehr muß dieser Prozess begleitet und gestaltet werden. Viele Fragen werden sich in diesem Kontext stellen, unter anderem auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit unseres Arbeitsmarktes überhaupt. Es müssen Wege gefunden werden, den betroffenen Menschen Perspektiven zu geben und auch die Besteuerung der Wertschöpfung muss komplett neu gedacht werden. Wir werden unser Sozialsystem auf Dauer nur aufrecht erhalten können, wenn wir bereit sind auch unpopuläre Wege zu gehen und Kritik auch aus der Wirtschaft einmal auszuhalten. 
Und auch hier ist von der "neuen" Groko außer mehr Breitband und einem Bürgerportal herzlich wenig zu hören. Hier wird unsere Zukunft auf dem Gral des Machterhalts geopfert.


Was ist also die Alternative zur Neuauflage des CDU/CSU/SPD Bündnisses?


Nun, als überzeugten Demokraten kann mich das Konzept einer Minderheitsregierung immer begeistern. Liegt doch in der hier immer wieder neu zu findenden Mehrheit ein riesen Begeisterungspotenzial für unser demokratisches System. Keine festgeklopften Mehrheiten, sondern lebendige, politische Debatten. Das Ringen um Mehrheiten für Vorhaben und auch die Möglichkeit, aus der "Opposition" heraus Abstimmungen zu gewinnen - ich denke am Ende würden wir alle gewinnen. Wir müssen uns nur trauen. Aber es gibt bessere Alternativen als weitere 3 1/2 Jahre "weiter so".

Samstag, 27. Januar 2018

Am Tiefpunkt

(c) Stadt Delmenhorst
Am gestrigen Freitag, den 26.01.2018, hat der Rat der Stadt Delmenhorst bei Stimmengleichheit die Rekommunalisierung des Josef-Hospital Delmenhorst abgelehnt. Und da einige Mitglieder des Rates anscheinend immer dann sehr mutig und auflehnerisch werden, wenn es ihnen keiner nachweisen kann, natürlich in geheimer Abstimmung.

Das schmerzt. Das schmerzt die Mitarbeiter des Klinikums, die jetzt in eine ungewisse Zukunft gehen. Das sollte die Einwohner der Stadt Delmenhorst schmerzen, weil ihre medizinische Grundversorgung unsicheren Zeiten entgegen geht. Das schmerzt unsere Stadt, weil jetzt Bürgschaften und andere Verpflichtungen fällig werden, ohne dass hier noch großartig Verhandlungsmasse wäre. Und es schmerzt mich. 

Ich habe mich von Anfang an immer für eine Klinik in kommunaler Hand ausgesprochen. Für mich gehört dieses zu den Grundaufgaben einer Kommune, genauso wie die Polizei, die Feuerwehr, die Schulen oder ein Schwimmbad. Keine dieser Einrichtungen erwirtschaftet übrigens einen Überschuss. Sollen und müssen sie auch nicht, die Kosten hierfür sind durch unsere Steuern und Gebühren gedeckt - es ist einfach die Gegenleistung der Kommune für die Zwangsabgaben der Bürgerinnen und Bürger. Warum also sollte das bei einem Krankenhaus den anders sein? Die Stadt ist zumindest moralisch verpflichtet, Hilfe in der Not anzubieten. Wenn schon solche grundlegenden Dinge nicht mehr möglich sind, dann kommt der Zeitpunkt, an dem unser Gemeinwesen an sich in Frage gestellt wird.

Ich habe seinerzeit gegen die Fusion der städtischen Kliniken mit dem Josef-Stift gestimmt. Ich fühlte uns in den Verhandlungen, die zu der 90:10 Lösung geführt haben, schlecht vertreten. Mir fehlte der entscheidende Einfluß der öffentlichen Hand und dass aus religiösen Gründen medizinische Behandlungen nicht mehr stattfinden konnten, konnte ich kaum ertragen. 

Es hat sich dann gezeigt, dass die Kirche bzw. das Stift tatsächlich nicht mit offenen Karten gespielt haben und uns ein überschuldetes, nicht zukunftsfähiges Krankenhaus in der Stadtmitte als die wirtschaftlich deutlich stärkere Einrichtung verkauft haben.

Aber sei es drum. Meine Hoffnung war, dass wir es hinbekommen, das fusionierte Krankenhaus wieder in städtische Hände zu bekommen. Das wir es schaffen, die Bürgschaften von der Klinik in eine "Bad-Bank" zu überführen und so die "neue" Klinik zu entschulden, handlungsfähig zu machen und mittelfristig am Markt einen Partner der öffentlichen Hand zu finden, dem wir auf Augenhöhe begegnen. Ich habe mich auf den Neubau, gefördert durch 70 Mio. Euro durch Bund und Land, gefreut, ja ein wenig sogar gehofft, bei der Einweihung dabei sein zu dürfen.

Ich habe auch gedacht, dass wir aus Fehlern der Vergangenheit lernen könnten und die Führungsstrukturen der neuen Gesellschaft mit Profis besetzen werden, die nur punktuell von uns Kommunalpolitikern begleitet werden.

Das wird es nun alles so nicht geben. Weil genau 21 Mitgliedern des Stadtrates der Mut zu Visionen fehlte, weil genau 21 Mitglieder anscheinend aus purer Lust am Destruktiven lieber Dinge zerschlagen als an ihrer Gestaltung mitzuwirken. Weil es unter diesen 21 Mitgliedern des Stadtrates einige gibt, die persönliche Streitereien in Entscheidungen einfliessen lassen und weil es Kolleginnen gibt, die inzwischen dermaßen postfaktisch agieren, dass man es manchmal kaum glauben möchte.

Da dieses aber durchaus auch meine eigene Gruppe betrifft, stellt sich mir jetzt die Frage, wie ich persönlich mit dieser Situation umgehe.

Ich sehe zur Zeit drei Optionen für mich und meine weitere politische Arbeit:

1. Weiter so.
Kann es nach der gestrigen Abstimmung im Rat tatsächlich ein Business as usual geben? 

2. Ich verlasse die Gruppe SPD/Piraten
Ich bin es tatsächlich leid, Arbeit in Anträge und Vorlagen zu stecken, um dann durchs Dickicht von hinten angeschossen zu werden.

3. Ich verlasse den Stadtrat
Die ultima Ratio. Festzustellen, dass es einfach keinen Sinn macht, hier noch etwas bewegen zu wollen. Aber: Danach kann tatsächlich definitiv nichts mehr bewegt werden. Und daher ist das für mich zur Zeit eher keine Option.

Ich weiß es heute nicht, aber der geneigte Leser dieses Blogs wird erfahren, wie es weitergeht.