Ein Politiker in Delmenhorst

Ansichten, Vorschläge, Meinungen und alles andere was einem Politiker in Delmenhorst einfällt.
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Mittwoch, 22. September 2021

BriefmarkenBriefmarkenBriefmarkenBriefmarkenBriefmarkenBriefmarkenBriefmarkenBriefmarken

 
Hallo liebe Sammelnden, es ist an der Zeit eine neue Ladung Briefmarken abzuladen. Einiges hat sich hier in der letzten Zeit angesammelt, da wäre es doch geradezu gemein, Euch dieses vorzuenthalten.

Fangen wir mit einem lieben Nachbarn und Bekannten an, der es leider in unsere Sammlung geschafft hat. Lieber Frank, als Profi müsstest Du eigentlich ja die erste Regel des Plakatdesigns kennen, "Erscheint dir die Schrift auf dem Monitor zu groß, mach' sie doppelt so groß!". Wenn beim Autofahren nur die Worte "Schnulli-Bulli" hängen bleiben, ist das halt sehr ungünstig. Dass ich die rote Box mit den Namen höher gesetzt hätte, geschenkt. Leider hat es ja für dich nicht gereicht, vielleicht nächstes Mal.


Tja, lieber Christian Steinacker, hast Du den kostenlosen Probemonat von Adobe Photoshop gebucht? Und deine erste Collage produziert? Das ist vollkommen Ok, weil ja die Übung den Meister macht. Aber, hey, muss denn der erste Versuch gleich auf ein Plakat gedruckt werden? Hättest Du nicht wenigstens einen Profi mal die Belichtung anpassen lassen können? Davon mal abgesehen, dass die Idee nun auch nicht gerade sooo überzeugend ist. Was denn jetzt die Message des Plakats ist - man kann es nicht wissen.


Ach Florian, du alter Fux. Damit auch der Letzte das Wortspiel begreift, hast du dir gleich noch ein Stofftier auf die Schulter gesetzt. Wie pfiffig. Und wie trendy. Nicht. Cool und CDU, das passt einfach nicht. Wie wäre es denn gewesen, einfach mal zu Titeln: "Essen, wo sich Fuchs und Laschet Gute Nacht sagen!", oder "Für mehr Füchse in Essen!" - Das hätte wenigstens noch ein wenig Inhalt vermittelt. Aber Inhalte und CDU, das passt ja sowieso nicht so richtig. Ich tippe mal, dass das für den Bundestag nicht reicht für Dich, mach' dir nichts draus, an den Plakaten wird es nicht gelegen haben. Glaube ich.






Kommen wir zu einem Plakat, das mich tatsächlich sehr geärgert hat. Zum einen weil die Aussage, "von der Hauptschule in den Bundestag" impliziert, dass Hauptschüler eigentlich nichts im Bundestag zu suchen hätten. Und das ist einfach nicht richtig. Wir haben sowieso schon zu viele Anwälte, Lehrer und Beamte im Parlament, ich wäre froh, wenn wir mehr Hauptschüler dort hätten, die einen "richtigen" Beruf gelernt haben und in ihrem Leben schon einmal etwas anderes als Berufspolitiker gewesen sind. Was mich aber noch viel mehr ärgert ist, dass Dejan Perc die eigentliche Aussage direkt konterkariert, in dem er mit einem "*" darauf hinweist, dass er selbstverständlich auch Abitur und Studium vorweisen kann. Er sagt also aus, dass man natürlich Abitur und Studium haben muss, um in den Bundestag zu kommen. Ach Dejan, hättest du doch einfach das "*" weggelassen und aus dem "." ein "!" gemacht - ich hätte dich hier gefeiert.


Oha, die CDU will nie wieder Straßen sperren. Da darf man ja mal gespannt sein, wie das denn wohl gehen soll. Kein Schlaglöcher mehr ausbessern, keine Fahrbahnbeläge mehr erneuern - aus Hannover wird dann zwangsläufig die größte Tempo 20 Zone Deutschlands, weil schneller kann man dann bald sowieso nicht mehr fahren. Ist das der Beitrag der CDU zum Klimaschutz? Also sozusagen, Geschwindigkeitsregulierung durch die Hintertür? Soviel Weitsicht hätte ich der CDU in Hannover ja überhaupt nicht zugetraut. Aber man lernt ja nie aus.



Kommen wir zum Schluss zur bildungsfernen Schicht Deutschlands, auch genannt "AfD". Die "Impflicht" für Kinder soll ausgeschlossen werden. Leutz von der "Alternative", wenn Euch die Wörter zu kompliziert sind, dann ersetzt sie doch durch Bilder, ihr wisst schon, so wie in den Lesebüchern in der 1. und 2. Klasse. Über den Inhalt eures Sharepics wollen wir dann mal gleich überhaupt nicht reden, nur soviel: Viele Kinder und Jugendliche wären froh, wenn sie endlich ein Impfangebot bekämen und dafür nicht mehr mit Masken in eiskalten Klassenräumen zu sitzen bräuchten.

Freitag, 17. September 2021

Gedanken zur OB- und Kommunalwahl vom 12.09.2021

 Jetzt ist sie also vorbei, die Wahl, die unsere Gemeinde für die nächsten fünf Jahre prägen wird. Eine neue Oberbürgermeisterin wurde gewählt, und auch wenn ich diese Zeilen vor der Stichwahl am 26.09.2021 geschrieben habe, so bin ich mir sicher dass unsere OBin für die nächste Zeit Petra Gerlach heißen wird. Und ein neuer Stadtrat wurde gewählt, dem ich nicht wieder angehören werde. 

Im Laufe des Wahlkampfs sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die ich gerne hier mit den geneigten Lesern teilen möchte:

1. Die schlechteste Entscheidung des Landes für die Kommunen war die Verkürzung der Amtszeit der Hauptverwaltungsbeamten auf fünf Jahre und die Synchronisierung der Amtszeiten. 

Das führte bei uns dazu, dass jede Gruppierung, die überhaupt noch zur Geltung kommen wollte, eine eigene Kandidatin bzw. einen eigenen Kandidaten für die Wahl der Oberbürgermeisterin aufgestellt hat. Mit insgesamt 11 Kandidaten war das Bewerberfeld extrem zersplittert und unübersichtlich. Und durch die Fokussierung der Medien auf diese 11 Kandidaten ist die eigentlich entscheidende Wahl, nämlich die des Stadtrats komplett in der Berichterstattung untergegangen. Bei Gelegenheit werde ich eine Auswertung nachreichen, aber ich schätze, dass mindestens 80% der Berichte über die Wahl sich einzig und allein auf die Kandidaten für den Posten des HVB bezogen hat. 

Hinzu kommt, dass es in diesem Jahr, anders als bei den vorangegangenen Kommunalwahlen, nicht eine Veranstaltung gegeben hat, bei der die Parteien sich für die Kommunalwahl hätten vorstellen können. Es gab aber 2 Podiumsdiskussionen der VHS mit den OB-Kandidat:innen. Die Frage stellt sich, ob da nicht eine gereicht hätte und der andere Termin für die Stadtratswahl genutzt hätte werden können. Vielleicht das einmal als Anregung. Ähnlich einseitig waren z.B., die gut gemachten Videointerviews der Delmenews, wo in zwei Runden auch nur die Kandidaten für die OB-Wahl zu Wort kamen. Auch hier als Anregung, die zweite Runde mit den "Spitzen" der Parteien zu machen. 

Warum mich das so stört? Es ist ja so, dass die Entscheidungen im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung in dieser Stadt vom Stadtrat getroffen werden und die Oberbürgermeisterin erst einmal andere Aufgaben hat. Nämlich die Vorgesetzte von über 1100 städtischen Bediensteten zu sein und eine Verwaltung zu führen. Wenn aber den Wähler:innen suggeriert würde, wir hätten so etwas wie einen König zu wählen und auch entsprechende Versprechungen gemacht werden, dann ist das kritisch zu sehen und der Stadtrat wird herabgesetzt. Berichten die Medien dann auch noch entsprechend, nimmt unsere Demokratie schaden. 

Daher meine zwei Bitten hier, auch wenn zumindest eine davon sicherlich nicht gehört werden wird: Bitte, liebes Land Niedersachsen, entsynchronisiert die Amtszeiten der HVB und der kommunalen Selbstvertretung wieder. Ein Jahr auseinander würde reichen. Und, liebe Medien in Delmenhorst, in fünf Jahren zur nächsten Kommunalwahl, bitte achtet auf eine ausgewogene Berichterstattung über beide Wahlen.

2. Der Wahlkampf wird amerikanischer und populistischer

Wir haben in Deutschland ca. 61.000.000 Wahlberechtigte. In Delmenhorst haben wir ca. 60.000 Wählerinnen und Wähler, das entspricht 1 Promille der Wähler in Deutschland. Rechnet man jetzt die Wahlkampfbudgets der "großen Parteien" für eine Bundestagswahl auf ct. per Wähler herunter, dann ergibt sich für eine Bundestagswahl bei der CDU ein Wert von 30 ct./Wähler, bei der SPD 38 ct./Wähler und bei der FDP sogar nur 6 ct./Wähler (alles Zahlen von 2017). Hochgerechnet auf eine Kommunalwahl in Delmenhorst kommt man mit diesen Zahlen auf ein Budget von ca. 20.000 Euro bei der SPD und CDU und 3.600 Euro bei der FDP. Ist diese Zahl sicherlich für die SPD und CDU realistisch, so muß man bei den "kleineren" Parteien natürlich einen höheren Wert von z.B. 10.000 Euro ansetzen, der Rahmen in dem sich auch die DL bewegt hat. 

Nun hat aber jeder, der diesen Wahlkampf verfolgt hat, gesehen, dass es hier deutliche Ausreißer gegeben hat. Um nur einmal einen Aspekt zu beleuchten: Eine ganzseitige Anzeige im Kreisblatt muß nach Abzug aller Rabatte mit ca. 5000 Euro Brutto gerechnet werden. Kleinere Anzeigen entsprechend weniger. Für die DL hätte das bedeutet, wir hätten zwei ganzseitige Anzeigen im kompletten Wahlkampf schalten können und hätten dafür unser komplettes Budget verbraucht. Nun möge also jeder, der im letzten 3/4 Jahr Zeitung gelesen hat, sich selber ausrechnen, was die einzelnen Parteien alleine für Anzeigenwerbung ausgegeben haben und über welche Budgets da verfügt werden konnte.

In anderen Kommunen stellte sich nach der Wahl heraus, dass es hier Korruption im Spiel war. Das ist zum Glück in Delmenhorst nicht der Fall. 

Zentriert sich die Wahlwerbung dann noch komplett auf einzelne Personen, so haben wir amerikanische Verhältnisse und die eigentlichen Themen bleiben auf der Strecke. Anscheinend ist das aber der Trend für die Zukunft, dem müssen wir als Parteien bzw. Wählergemeinschaften uns stellen.

Zum Glück, sind wir bei dieser Wahl noch "mit einem blauen Auge" davon gekommen und hatten zwar einen amerikanischen Wahlkampf - aber kein amerikanisches Ergebnis. Aber, wir müssen hier vorsichtig sein, dass uns das nicht vielleicht in fünf Jahren passiert.

Mittwoch, 11. August 2021

Briefmarken, die 14.

 


In der 14. Folge unserer Briefmarkensammlung starten wir mit einer Premiere: Das erste Video, dass es in unsere Sammlung geschafft hat. Herr Luczak von der, für ihre Onlinekompetenz bekannten CDU hielt es für eine richtig tolle Idee, doch einmal zu zeigen, wie man einen sogenannten "Wesselmann" aufstellt. Also zumindest wollte er mal so tun. Wir wissen jetzt nicht, ob Herr Luczak vielleicht ein heimlicher Gamer ist und meint, dass sich so ein Plakat auf im echten Leben durch den Zauberhammer von selber aufstellt, aber wie immer müssen die Komparsen die Arbeit machen und der Chef kann posen. Dass ausgerechnet die Antiklimapartei CDU mit einem Klimaslogan wirbt, geschenkt. Das glaubt denen eh niemand, dem wirklich etwas an der Zukunft liegt.


Auch der nächste Bewerber für die Briefmarkensammlung kommt von der CDU. Mario Röllig, der, der nicht mit der Meute heult. Vielleicht sollte Herr Röllig doch ein mal Gefühle zeigen. Der Mann darf im Jahr 2021 heulen. Das ist wichtig, sonst stauen sich schädliche Dinge in ihm auf - und das kann zu merkwürdigen Wahlplakaten führen. 
Normalerweise hätte schon das schlechte Foto fast gereicht für die Aufnahme in die Sammlung, aber davon gibt es ja leider viel zu viele. Aber diese subtilen Rot-Rot-Grünen Wölfe, Mensch Mario, da hast du echt mal einen rausgehauen. Fast so gut wie seinerzeit die "Nein"-Partei. Hauptsache dagegen. 








Machen wir weiter mit einem Stammgast in dieser Rubrik. Die FDP hat mal wieder den Slogangenerator laufen lassen. Christoph Meyer will die Wirtschaft einfach mal machen lassen. Da fragt man sich ja, wozu gehst du in die Politik, wenn doch die Wirtschaft alles machen soll? Und dass der komplett ungeregelte Kapitalismus irgendwas anderes regelt, als die Maximierung der Gewinne und den Abbau von allem, was eine gesunde, soziale und umweltbewusste Gesellschaft ausmacht, das muss nicht weiter ausgeführt werden, das erleben wir gerade Live und in Farbe. 






In Niedersachsen sind ja am 12.09. Kommunalwahlen. Diese sind für uns ja immer am ergiebigsten, allerdings halten wir uns dieses Mal aus Gründen ein wenig zurück. Aber, da nach unten immer noch Luft ist: "Kein Verbot von Autos". Puha. Hat auch niemand jemals gefordert. Zumindest keine ernsthafte politische Kraft. Das bestimmte Klassen von PKMWund LKW nicht in die Innenstädte dürfen, ja das gibt es. Und das hat ja auch zu einer Marktbereinigung geführt. Aber Elektroautos? 
Und selbst wenn es in einer Innenstadt eine Fußgängerzone gibt, ist die dann tot? Weil da kein Auto fährt? In der Fußgängerzone? Also ich weiß ja nicht. Vielleicht sollte die CDU nächstes Mal die Slogans vor der Bierverkostung entwerfen.






Und damit wir nicht immer nur auf dem liberal-konservativen Teil unserer politischen Landschaft angewiesen sind, hier ein schönes Beispiel für das derzeitige Problem der SPD. Es ist ja nicht so, dass die Genossen keine Ideen hätten. Teilweise ja auch sinnvolle und gute Ideen. Aber: Die SPD bekommt ihre Inhalte nicht vermittelt. Sie ist einfach zu sehr in sich selbst gefangen. Man sieht es an diesem Plakat. 76 Wörter auf einem Wahlplakat. Korrekt gegendert, damit sich auch alle wiederfinden. Aber: Wer soll das denn vom Fahrrad oder aus dem Auto lesen? Man druckt doch nicht das komplette Wahlprogramm auf ein Plakat. Vom selben Geld hätte man viele Flyer auf Recyclingpapier drucken und verteilen können. Die hätte wahrscheinlich eher jemand gelesen. Und ansonsten gilt die erste Regel des Plakatdesigners: "Sitzt du vor dem PC und die Schrift erscheint dir zu groß - mach' sie doppelt so groß".

Montag, 8. Februar 2021

Briefmarken und die Wilde 13

 

Hallo liebe Freundinnen des gepflegten Briefmarkensammelns. Es wird mal wieder Zeit für eine neue Runde. Fangen wir an mit einem meiner häufigsten Gäste, dem Layouter der FDP. Manchmal frage ich mich, warum bist Du nicht Buntstiftanspitzer bei Städtler geworden - oder Testfahrer bei Matchbox? Alles ehrbare Berufe, die man erlernen kann, wenn man denn will. Design und Layout haben allerdings auch etwas mit Gefühl, Empathie und einfach einem guten Blick für Gestaltung zu tun. Alles Dinge, die man der FDP hier wirklich nicht nachsagen kann. Oder reicht es heute, den Outlinefilter von Photoshop einfach nur oft genug anzuwenden, um seine Arbeit zu erledigen? Und vom Inhalt wollen wir nicht reden, dass wäre zu bitter.
Weiter geht es mit der CDU, die sich anscheinend jetzt auf Orange als Parteifarbe endgültig festgelegt hat. Wir leben also in schwierigen Zeiten. Ja, das ist wohl so, liebe "Christ"-Demokraten. Und manchmal kommt man in schwierigen Zeiten an eine Weggabelung und könnte einen Tipp gebrauchen, was denn nun das Richtige sein könnte. Die CDU will uns also die richtigen Antworten geben. Sagen sie. Allein: Welches ist denn jetzt bei diesem Motiv die richtige Antwort? Links? Rechts? Mitte? Geradeaus? Was will uns der Autor sagen? Oder ist das alles einfach ein Hinweis auf den schlechten Zustand der Straßen und Wege in Deutschland?

Bleiben wir bei der CDU, weil es gerade so schön passt. Die Kampagne der Union in Baden-Württemberg hat ja gerade den ersten Shitstorm hinter sich, ihr wisst schon "Wir Verbrecher ...", aber das hier ist besser. In Zukunft kommen unsere Autos also von "Auto Peter". Wenn Brandenburg eine Teslafabrik bekommt, können die Baden-Württemberger nur lachen. Auto Peter war schon länger da und beherrscht den lokalen Markt.


Ach Moritz. Was ist denn dir passiert? Dein "Programm" mag ja so überhaupt nicht zu deinem Auftreten passen. Trier soll dich also als Stadtrat wählen? Wobei, als Gender gibst Du ja "Stadträtin" an. Ok. Geschenkt, Moritz. Heute geht ja alles. Aber, ist dir eigentlich so ganz klar, welche Aufgaben eine Kommunalvertretung hat? Ich möchte dir mal eben auf die Sprünge helfen: "Härte Bestrafung bei Missbrauch [...]" - Könntest Du in Trier nicht einmal beschließen, wenn du auf 100% kämst, Moritz. Ist nämlich Sache des Bundes. "Reform des Bildungssystems" - Landessache, du ahnst es, oder? "Keine Besteuerung der Renten" - was soll ich sagen, auch hier kann der Stadtrat in Trier wohl nichts machen. Einzig "Keine Korruption" - ja, da muss vielleicht ja jeder mal bei sich selber anfangen. Wobei ja bekanntlich Populisten da am empfänglichsten für sind. Ich würde vorschlagen, Moritz, du bleibst bei deinem Skalpell. 


Donnerstag, 30. Juli 2020

Briefmarken Corona Edition (11)

Hallo und Willkommen zur inzwischen 11. Fortsetzung der Ergebnisse des Sammelns von Wahlplakaten im Web. Fangen wir heute zur Ausnahme mal mit einem Plakat der sogenannten "Alternative für Deppen" an, die die Frau mit dem Sprung in der Schüssel - Entschuldigung Frau Spring-Räumschüssel ins Rennen schickt. Was genau diese Dame nun mit ihrem martialischen Auftreten bezweckt, nun wir werden es nicht erfahren. Ob sie als Alterspräsidentin des Brandenburgischen Landtags allerdings Respekt-schellen verteilt hat, darüber ist zumindest in den Medien nichts erschienen.
Machen wir weiter mit Martina Wild aus Augsburg. Die Idee, als Wahlplakat ein künstlerisch gestaltetes Motiv zu nehmen, Respekt, die ist nicht schlecht. Schlecht ist dann allerdings die Umsetzung. Leider. Aber vielleicht hätte man hier ein wenig mehr Vorauswahl bei der Bestimmung der Künstlerin gemacht, so dass die Kandidatin nicht wie eine Blumen liebende Serienmörderin auf dem Rückweg vom letzten Opfer aussieht. Ein typischer Fall von gewollt und nicht gekonnt.

Kommen wir zur CDU, die ihre vollständige Empathielosigkeit für die Probleme unserer Zeit nicht treffender als mit diesem Meme zeigen konnte. Kein Wahlplakat, aber so bodenlos schlecht, dass es hier hingehört. Das Tagebau Sünde ist, die zerstörten Flächen hinterher bestenfalls als Seenplatte "renaturiert" werden können, sich Menschen mit ihrem Leben für den Erhalt der Umwelt einsetzen und die Kohle einer der Klimaschädlinge schlechthin ist - alles das geht an der Fraktion der CDU in NRW komplett vorbei. Da kann man nur aufrufen, Frau Plonsker nie wieder für was auch immer zu wählen. 
Machen wir weiter mit der bayerischen Schwester der CDU, der CSU. Was sieht der schnelle Beobachter dieses Plakats, wenn er mit dem Auto vorbeifährt? "Nein, Nein, Nein". Und das Blau der CSU. Okay, mag der eine oder andere denken, ich hätte ja die CSU sowieso nicht gewählt, aber gleich dreimal Nein? Oder gibt es auf dem Wahlzettel drei Stimmen und man kann sein Missfallen auch mit 3 Neinstimmen zum Ausdruck bringen? Aber, selbst wenn man das "Schluss mit" auch noch wahrgenommen hat, was soll uns das sagen? Ist die CSU jetzt die "Ja-Partei"? Also, ja zum Umbau der Wirtschaft zum besseren Klimaschutz? Ja zum Kommunismus? Ja zum Tempolimit? Ja zur Abberufung von Andi Scheuer? Hey, so eine Ja-Partei wäre ja voll cool. Aber bei diesen Themen würde von der CSU ja nur "Nein, Nein, Nein, NEIN!" kommen ...

Die zweijährige Tochter meiner Nachbarn spricht inzwischen gut verständliche 3-Wort-Sätze, dem Alter entsprechend. Herr Keller, der für was eigentlich, kandidiert ist anscheinend über den 2-Wort-Satz nicht hinausgekommen. Vertrauen? In den Keller? Da wo es dunkel und unheimlich ist? Oder wir vertrauen darauf, aus dem Keller wieder ans Tageslicht zu kommen? Man weiß es einfach nicht. Vielleicht ist es auch das Vertrauen des Herrn Keller, dass die Wählerschaft inzwischen so abgestumpft ist, dass zwei Wörter, ein Schlipsträger und ein Parteilogo reichen um eine Wahlentscheidung zu treffen. Die Klientel ist aber tatsächlich eher weiter rechts anzutreffen.

Dienstag, 25. Februar 2020

Briefmarken - die 10.

Hallo und herzlich Willkommen zur 10. Ausgabe von "Briefmarken sammeln", der beliebten Rubrik mit den Plakatfails. Starten wir mit der zur Zeit ein wenig unter Druck stehenden "Alternative". Unter Druck stehen passt ja auch zum Thema dieses Plakats, weil besser wäre es ja, wenn der Feuerwehrschlauch beim Löschen unter Druck stehen würde. In den Druck würde ich allerdings nur Plakate geben, die wenigsten annähernd mit der deutschen Grammatik konform sind. 

Ein weiteres Attribut für einen guten Feuerwehrmann ist natürlich die Zielorientierung. Was natürlich insgesamt für alle Professionen eine gute Qualifizierung wäre. Ob man allerdings unbedingt im großen Rat des Bezirks Frauenfeld in der Schweiz seine Zielorientierung dadurch beweißt, dass man sich mit einem Jagdgewehr dorthin begibt, darf bezweifelt werden. Ich denke schon, dass das den einen oder anderen politischen Mitbewerber unangenehm berühren könnte, wenn er ins Visier genommen wird. 






Kommen wir mal wieder zur FDP, die ja immer für die absurdesten Wahlplakate bekannt ist. Ich würde fast soweit gehen zu sagen, dass wenn es die FDP nicht gäbe, wir noch keine 10 Ausgaben "Briefmarken sammeln" hätten. Dieses Mal also ein Gorilla namens Harald. Harald der Gorilla möchte gerne in den Stadtrat. Dass das bei der derzeitigen politischen Gemengelage auf Listenplatz 19 wohl eher nicht klappen wird ist natürlich ein wenig bedauerlich. Interessant ist, ob das Wahlgesetz überhaupt Gorillas die Wählbarkeit zuspricht. Ich wäre ja dafür.

Irgendwie erinnert mich Max Josef Schröck an einen bekannten amerikanischen Schauspieler, der seine Karriere verkokst hat und nun in die Niederungen der Kommunalpolitik herabgestiegen ist. Freibier soll es nun geben, dafür keinen Sozialismus. Klingt komisch, ist aber so. Aber ist denn Freibier für alle nicht auch irgendwie etwas sozialistisch? Und steht das "S" in CSU nicht irgendwie für "Sozial"? Aber gut, das "C" steht ja auch für "Christlich", da sollte man sich nichts bei denken. Allerdings wundert es schon ein wenig, dass die CSU zur Abwehr des drohenden Sozialismus schon zur letzten Waffe des Populisten greifen muss, denn dass unsere Gesellschaft durch den Sozialismus bedroht wird, dass ist doch gerade nicht irgendwie das Thema, oder?


Da halten wir es doch lieber mit dem Bürgermeisterkandidaten für Pfronten, den Haf Alfons. der bringt es endlich mal auf den Punkt. "Ja." - mehr kann jetzt eigentlich nicht mehr kommen in dieser Rubrik. Dieser komplett eingedampfte Minimalismus bringt alle politischen Aussagen und Inhalte auf eine einfache Formel: "Ja.". Mehr braucht es nun wirklich nicht. Man darf gespannt sein, ob dieses Statement wirklich für 100% reichen wird.

Sonntag, 5. Januar 2020

Briefmarken sammeln - Teil 9

Neues Jahr, neue Briefmarken. Also auch von dieser Stelle ein frohes und gesundes neues Jahr an alle Mitsammler.

Beginnen möchte ich heute nicht mit einem Plakat, sondern mit einem Artikel über den Wahlkampf in Gütersloh. Wohl selten passte ein Untertitel so gut zu einem Foto wie dieses Mal. Knapp zwei Kopf Größenunterschied machen die "Augenhöhe" zu alternativen Fakten.
Kommen wir zu unseren südlichen Nachbarn, den Österreichern. Anscheinend stehen auch hier dieses Jahr wieder Wahlen an, deren Aufakt jetzt begangen werden soll. Anscheinend war der visionäre Plakatgestalter so von seinem geschwungenen "W" angetan, dass er das fehlende "T" glatt vergessen hat. Vielleicht handelt es sich aber auch um ein Theaterstück, dessen erster Akt in Österreich "Auf-Akt" heißt. Dann stellt sich natürlich die Frage, wann wir denn den "Zwischenakt", den "Dramaakt" und den "Schlussakt" bekommen, gibt es doch nur einen Termin bisher.
Ach Herr Kaiser, weil es mit den Versicherungen nicht mehr so gut läuft, soll es jetzt die Politik sein. Das Sacko locker über die Schulter geworfen, soll hier eine gewisse Dynamik auf dem Bild erzeugt werden. Dazu passt der dynamische Umgang mit der Rechtschreibung oder aber der Geographie. Denn das "Weil's" befindet sich ja zur Zeit in Niedersachen.
Schön auch, dass jetzt die Vampire für die CDU in Cloppenburg kandidieren dürfen und ihre Bedürfnisse auch gleich auf einen Bauzaun bringen dürften. Mehr "Miteinader", also Blut für Alle soll es sein. Verständlich, aber natürlich selbst im schwarzen Cloppenburg schwer durchzusetzen. Interessant wird in diesem Zusammenhang das mit dem Kreuz, dem Weihwasser und den Blutsaugern. Man darf gespannt sein. 
Kommen wir zur CSU, die ja gerade unrühmliche Schlagzeilen macht, weil sie keinen Muslim als Bürgermeister in Wallerstein haben will. Da bekennt man sich doch lieber zu den alten Werten und ballert sich am Sonntagabend erstmal schön die Birne weg. Und da übermäßiger Alkoholgenuss ja bekanntlich stark macht, spielen Inhalte in diesem Kontext ja keine Rolle. Einen Gewinner wird der Abend sicherlich haben, die Wirtin vom "Zum Grünen Baum" freut sich bestimmt schon über die klingende Kasse. Fragt sich nur, ob denn die CSU für die Zeche aufkommt, oder jeder zahlen muss? Ich denke ja letzteres, das kennen wir ja inzwischen von Herrn Scheuer und Co. 

Dienstag, 6. August 2019

Briefmarken sammeln - Teil 8 / Wahlkampf im Osten

Im Herbst wird in Brandenburg, Sachsen und Thüringen ein neuer Landtag gewählt und so langsam kommt die Wahlkampfmaschinerie der einzelnen Parteien in Schwung. Und damit kommen auch wieder neue Sammelstücke für diese beliebte Rubrik zusammen. 


Den Anfang macht heute die CDU. Wie schon hier analysiert wurde, hat die Union ganz offensichtlich zur Zeit ein Problem mit ihrem Corporate Design. Nun ist also die Farbe "Grün" an der Reihe. Schätzen die Pateistrategen die Wähler tatsächlich für so einfach gestrickt ein, dass diese anstatt die Grünen zu wählen, ihr Kreuz bei der CDU machen? Ein wenig mehr Intelligenz sollte man den Menschen im Lande schon zutrauen - auch wenn für meinen persönlichen Eindruck sich die Grünen tatsächlich immer häufiger wie eine konservative Partei verhalten. Insgesamt wird es aber nun wirklich dringend Zeit für die Union, sich auf ein einheitliches Design zu einigen, sonst wird der Auftritt genauso beliebig wie die Politik.

Willy Brandt dreht sich gerade schwer im Grabe um. Macht doch die unsägliche "Alternative" jetzt tatsächlich mit seiner berühmten Aussage und seinem Bild Wahlkampf. Ich hoffe doch stark, dass die Erben des Nobelpreisträgers dem ein rasches Ende setzen. Für Willy Brandt wäre es unerträglich, in den Kontext einer offen rechtsextremen Partei gesetzt zu werden - genau wie es vielen Menschen geht, die sich in ihrer politischen Arbeit von ihm inspiriert fühlen. So wie ich. Und auch der Demokratiebegriff dieser Vereinigung gilt ja immer nur, solange sie sich in der Opferrolle fühlen. Für anständige Menschen, die ein offenes und buntes Weltbild haben, wäre die Demokratie bei der Machtübernahme der "Alternative" schnell vorbei.



Deutlich harmloser ist der Versuch von Dirk Panter in Sachsen mit einer Anspielung auf seinen Namen Aufmerksamkeit zu erregen. Immerhin kommt der mit diesem Plakat der Forderung der PARTEI, Inhalte zu überwinden, schon ziemlich nahe und auch der so trendige Hashtag #EinsatzFürLeipzig bringt es zur Zeit auf gerade einmal fünf Tweets. Eine erfolgreiche Kampagne sieht anders aus. Dass ein Pant(h)er im deutschen Sprachgebrauch eine schwarze Großkatze ist, geschenkt. 





Ein wenig ratlos lässt den Autor das folgende Großplakat der CDU zurück. Das die dominierende Farbe in Brandenburg auf einmal "Rot" ist, sei es drum. Aber das Brandenburg gefährlicher werden soll, wenn auch erst einmal nur für Kriminelle, was will uns das sagen? Aufruf zur Selbstjustiz? Und selbst wenn hier nur eine verbesserte Polizeiarbeit gemeint ist, so geht doch die Kriminalitätsrate in Brandenburg zurück, wie ja sogar die Polizei selber mitteilt. Insgesamt trägt dieser Slogan der Verrohung der Sprache in Deutschland in den letzten fünf Jahren deutlich Rechnung. Man kann abwarten, wann die erste Forderung nach der Wiedereinführung der Todesstrafe kommen mag. Ob man mit einer immer brutaleren Sprache tatsächlich Wähler von der "Alternative" zurückgewinnt? Ich wage es zu bezweifeln. Am Ende wird auf der Seite der Rechten immer nach dem Motto gehandelt: "Immer ein wenig Krasser aus du."

Zum Abschluss noch ein klassischer Typo aus Nordsachsen für Liebhaber. "Kanditaten" steht für sich selbst. 

Mittwoch, 12. Juni 2019

Briefmarken sammeln - Teil 7 / nach der Wahl ist vor der Wahl

Liebe Freunde des gepflegten Briefmarkensammelns, liebe Liebhaber des Wahlplakatfails, hier kommt Nachschub. Heute haben wir einen bunten Mix aus Bildunglücken und Probleme mit der deutschen Rechtschreibung.


Fangen wir doch einmal mit Sören an. Sören trinkt gerne Bier. Und Sören hat einen Styleberater, der, na ja, vom Style nicht wirklich viel versteht. Aber immerhin hat es für Sören für 1089 Stimmen gereicht. Vielleicht hätte es ohne Bart und Bier sogar für einen Sitz im Stadtrat gelangt. Aber hinterher ist man ja immer schlauer. Wir werden dann mal beobachten, wie Sören bei den nächsten Wahlen gestyled ist.






Und weil wir gerade bei der SPD sind und weil wir gerade auch beim Shaming sind, hier der nächste Bewerber der SPD in Halle. Es hat ja fast den Anschein, als wenn es in Halle keine Wahlkampfleitung der SPD gegeben hat und jeder einfach mal so drauf los plakatiert hat. Wenn das Bier von Sören ja immerhin noch für ein vierstelliges Ergebnis gut war, konnten die Wähler mit dem Wikinger Lars nicht wirklich etwas anfangen. 387 Stimmen hat er eingefahren, ein doch sehr unterdurchschnittliches Ergebnis. Das kann aber vielleicht auch daran liegen, dass die Wikinger in Halle jetzt keine so große Tradition und Fanbase haben. 











Ob wir überhaupt schon mal wa's von den Freien Wählern hatten? Ich denke nicht. Al'so, dann hier die Premiere. Die Freien Wähler Düsseldorf haben zwei Dinge für sich entdeckt: Magenta als Farbe und das Deppenapostroph für ihre Texte. Ob da's Problem mit der Farbe und der künstlerischen Rechtschreibung inzwischen gelös't wurde ist nicht bekannt. Aber immerhin reichte es ja für 2 Sitze im Rat der Stadt Düsseldorf. 





Und da sag doch noch einmal einer, die CDU wäre nicht fortschrittlich. Postgender ist jetzt also auch bei den Christdemokraten angekommen. Und zwar so erfolgreich, dass die Kandidat*in im ersten Wahlgang auf satte 45,49% der Stimmen gekommen ist.  Ich fürchte aber, dass die Plakatdesigner das mit dem Postgender dann doch nicht richtig verstanden haben. Es geht nicht darum, einer Person ein anderes Geschlecht zuzuordnen, sondern das Geschlecht irrelevant zu machen. Besser wäre also gewesen: "Sandra Röse - Unsere Person für Oyten" oder "Unser Dingens für Oyten". Nur mal so, falls für die Stichwahl neu plakatiert wird. Und übrigens, die feine Ironie die hier vermittelt werden sollte, fängt nur dann, wenn sich der Wähler mit dem Geschlecht der anderen Kandidaten beschäftigt hat. Daher: Ironie funktioniert nicht auf Wahlplakaten. 


Zum Abschluss wird es dann noch Liberal-Philosophisch. "Gemeinsam in die richtige Richtung." Der Intellektuelle unter den No-Sense-Slogans im Wahlkampf. Man überlege sich doch nur einmal die Alternativen: "Getrennt in alle Richtungen." oder auch "Zusammen verlaufen." Wir sind jetzt schon fast auf der Metaebene und dem tiefen Inneren Sinn eines Plakats. Leider hat es in Osnabrück nur für 109 Stimmen, also gut 35 Wähler, gereicht. Schade eigentlich, dass in einer Universitätsstadt nicht mehr Wähler bereit waren mehr Philosophie in der Politik zu wagen.



Donnerstag, 9. Mai 2019

Briefmarken sammeln - Teil 6


Es ist immer noch Wahlkampfzeit, und damit ist auch Erntezeit für den fleißigen Briefmarkensammler. Den Anfang macht heute die hier immer wieder vertretende "Alternative". Diese hat die Entwicklungshilfe für sich entdeckt. Und hier insbesondere die Nachtruhe in Ciudad Guayana in Venezuela. Zumindest tritt die "Alternative" für ein Nachtflugverbot auf dem dortigen Flughafen "Macagua Airport" Kürzel SFX ein. An und für sich, Ok, kann man ja nichts gegen sagen. Ob das allerdings einem Flughafen etwas nutzt, der sowieso kaum Flugbewegungen hat - na ja, das muss jeder für sich selber wissen. Zumindest scheint dann irgendwie die Erkenntnis
gekommen zu sein, dass es sich ja aber auch mal wieder um einen Typoerror gehandelt hat und in Wahrheit der Flughafen Berlin-Schönefeld (SXF) gemeint ist. Das war es dann schon wieder zu dem Thema Entwicklungshilfe bei der Alternative. 





Na, Daniel, sollen wir vor dem Shooting Happy Pills einwerfen? Ich meine, "Gebt das Hanf frei" ist ja die eine Sache, aber so offensichtlich auf Aufputschmitteln zu sein? Eigentlich wirkt das Photo ja schon sehr gePhotoshoped. Wobei, wenn man sich die anderen Bilder von Daniel Köbler im Netz so ansieht, irgendwie scheint das ja der Dauerzustand zu sein, in dem er sich befindet. 


Kommen wir zur FDP, auch immer wieder mit Sahnestücken hier vertreten. Frau Dr. Hüskens stellt also eine durchaus richtige Verbindung zwischen Bäumen und Parkplätzen her. Parkplätze wachsen nicht, sondern werden gebaut. Und zwar häufig da, wo vorher mal Bäume standen. Wer also mehr Parkplätze will, wie Fr. Dr. Hüskens, der muss zwangsläufig Bäume fällen. Folgerichtig finden sich auf der Homepage der Kandidatin dann auch keine Auslassungen zu Umweltthemen - aber immerhin kann man spenden. Passt zur Mövenpickpartei - irgendwie.

In unserem letzten Beitrag wurde ja das Problem der CDU mit ihrem Corporate Design gesprochen. Nun, bisher konnte man sich ja bei der SPD immer auf eins verlassen, egal wie unzuverlässig die Politik auch sein mag, Rot sind sie immer, die Sozen. Dachte man. Aber entweder war bei der Druckmaschine, die diese Plakate gedruckt hat ein deutlicher Fehlbestand an Magenta vorhanden, der Druckmeister hat eine Farbsehschwäche oder die SPD hält Wähler der "Alternative" tatsächlich für so Naiv, dass sie die SPD wählen, wenn die Plakate nur blau genug sind. Ich tippe mal, dass das nicht funktionieren wird. Es gilt immer die Regel: "Der Wähler wählt lieber das Original, nicht die billige Kopie". Und ob die SPD tatsächlich am rechten Rand fischen sollte, das müssen die Strategen in Sachsen mit sich selbst ausmachen.

Auch unser letzter Gast für heute kommt mal wieder von der FDP. Dieses Plakat stammt noch von den letzten Wahlen in Bayern, wo die Begriffsaddition bei den Liberalen ja hoch im Kurs stand. Ich glaube ja immer noch, dass diese Texte ein Generator ausgespuckt hat. Zwei Listen von Begriffen, eine mit Solchen, die ein modernes Image darstellen sollen und eine mit Wörtern, die für traditionelle Werte stehen und ab geht es. Wie anders können solche Plakate entstanden sein?

Blockchainanwendungen in der Politik sind im Moment ja noch eher dünn gesät und der moderne, weltoffene Bayer dürfte sich doch nicht damit zufrieden geben, auf Blasmusik reduziert zu werden. Weil die Politik der 50er Jahre - das ist doch dann eher die CSU in Bayern. 

Donnerstag, 25. April 2019

Avanti Dilettanti - Oder Wahlkampf in Bremen und zur Europawahl

Man fragt sich manchmal, geben die Parteien eigentlich wirklich das Geld für Wahlkampfagenturen aus, oder verschwindet das Geld in irgendwelchen dunklen Kanälen und der Praktikant entwirft mal eben, in letzter Minute eine "Kampagne" und los geht es.

Wie zum Beispiel jetzt die SPD mit den Kandidatenplakaten zur Europawahl. Machen wir Portraits und geben allen denselben Hintergrund. Das sieht nett aus und erleichtert den Grafikern die Arbeit, das wird die Idee der Praktikanten gewesen sein. Also gibt es eine Serie von Wahlplakaten mit hellblau-weißem Wolkenhintergrund. 
  
Das passt für Kandidaten oder auch für einen Claim. Leider nur hat das wohl keiner den Kandidaten und der Fotografin gesagt. Wie sonst kann es sein, dass die Kandidaten farblich fein auf den Hintergrund abgestimmte Hemden tragen, damit ja kein Kontrast die Stimmung trübt.


So sieht man dann vom Weitem nur Namen und Köpfe. Alles andere verschwimmt ineinander. Dass die #Hashtags viel zu lang sind, um wirklich zu trenden, dass steht noch einmal auf einem anderen Blatt.

Kommen wir zur Bürgerschaftswahl in Bremen und zur CDU. Die CDU hat ein offensichtliches Problem mit ihrem Corporate Design. Das sieht man schon an den verwendeten Farben. Eigentlich tritt die CDU gerne unter einem Blau auf: 

Zur letzten Bundestagswahl waren es dann die Farben Schwarz-Rot-Gold in einem pseudo  progressiven Stil mit unsäglichen Hashtag #fedidwgugl. 

Anscheinend wurde dieses Design seinerzeit zum einen gewählt, damit ein blauer Auftritt nicht mit der "Alternative" verwechselt wird, zum anderen aber die nationalen Gefühle konservativer Wähler angesprochen werden können. Eine gewisse Dynamik der Elemente und der Motive kann als Versuch angesehen werden, jüngere Wählerschichten zu gewinnen. Anscheinend ist aber entweder jetzt das Praktikum des Designers beendet oder die Bremer CDU will sich noch stärker abgrenzen. So wird jetzt hier auf ein knalliges Orange gesetzt.


Der schnell vorübergehende Passant könnte fast den Eindruck bekommen, die Piratenpartei wäre wieder auferstanden und würde eine coole Kampagne fahren. Dazu sind die Piraten natürlich lange nicht mehr in der Lage, aber den zugespielten Ball aufzunehmen und zu kontern, dass funktioniert noch gut.

Wir Beobachter dürfen gespannt sein, wie sich das Verhältnis der CDU zu Farben und zu ihrer CI/CD weiter entwickelt. Das Farbspektrum gibt ja noch viele Farben her, die noch nicht benutzt worden. Wie wäre es mit einem Roseton oder einem freundlichen, lebensbejahenden Schwarzton. Es darf gerne kopiert werden.